Montag, 17. Januar 2011

Bhaktapur - Made in Nepal


Nicht nur die Architektur, auch das Tagewerk in Bhaktapur zeugt vom Alter der Stadt und einem hohen Traditionsbewusstsein seiner Bewohner. Die wichtigsten Dinge des täglichen Lebens werden hier noch immer von Hand angebaut, hergestellt und bearbeitet. Lediglich Luxusgüter wie Fernseher, Handys, DVDs & co. sind auf dem industriellen Vormarsch. Dabei sollte man seine Bestellungen langfristig einrichten. Indra wartet jetzt schon seit über einem halben Jahr auf ein Regal, das eigentlich nur zwei Wochen dauern sollte...

Hier gibts nur Klassiker im Massenstil.
Da die meisten Wohnungen in Bhaktapur zum Arbeiten zu eng und zu dunkel sind wird darüber hinaus fast alles auf der Straße erledigt. So präsentiert sich die Stadt in einem sehr lebendigen Bild und wo man auch lang geht gibt es was zu sehen. Hauptattraktion in dieser Hinsicht ist der Potter's square. Auf diesem kleinen Platz wird rund um die Uhr getöpfert, gebrannt und bemalt und der interessierte Tourist bekommt den gesamten Prozess vom Lehmhaufen zum fertigen Souvenir vorgeführt (eindringliche Verkaufsangebote eingeschlossen).

Erst homogenisieren...

... dann formen und trocknen...
... dann brennen und bemalen.
Schweres Geschütz im Touristenstützpunkt "Potter's Square"
Ein weiterer großer Markt ist die Wollverarbeitung. Häufig sind es ältere Frauen, die zunächst aus der Rohwolle Fäden spinnen. Bei der Recherche ist Vorsicht geboten! Diese Bevölkerungsgruppe ist gewissermaßen spezialisiert darauf durch photogenes Auftreten Kameraeinsätze zu provozieren und anschließend vehement Modelgage einzutreiben.

Rumsitzen als Einnahmequelle: Eine alte Frau beim Spinnen

Auch die weiteren Schritte der Wollverarbeitung lassen sich auf der Straße beobachten. Besonders strickende Frauen sind in Bhaktapur omnipräsent. Meist rotten sie sich in intradisziplinären Communikationsforen (Tratschgruppen) zusammen und scheinen ihren Spaß zu haben. Auch "mobile Nähstuben" und Webstühle sind immer wieder anzutreffen.

Während des Hosekürzens noch schnell Rasieren lassen
Mann beim Fadenaufwickeln
Immer bei guter Laune: Frauen beim Stricken
Frauen beim Teppichweben
Haben Madame letzte Nacht schlecht geschlafen, weil das Kissen nicht locker genug war oder gar eine Decke gefehlt hat? Kein Problem! Gerne kommt jemand vorbei, klopft die Wollfüllung einmal ordentlich durch und näht Matratze, Decke, Kissen anschließend wieder zu.

Fast immmer Vater-Sohn-Duos: Die Matratzenmacher
Dank zunehmender Touristenströme hat ein weiterer Wirtschaftszweig an Bedeutung gewonnen: Die Thankamalerei. Überall sprießen Schulen aus dem Boden, die diese unrsprünglich tibetischen Präzisionswerke herstellen und verkaufen. Kleiner Haken an der Sache: Ein mittelgroßes Bild kann den Künstler locker mal ein paar Monate beschäftigen und so liegen die Preise meist irgendwo zwischen 200 und 10 000 €! Obwohl alle Werke handgefertigt werden handt es sich bei den Darstellungen selbst oft um Kopien alter Werke und selten um eine eigene Kreation. Man unterscheidet zwischen Mantras und Götterdarstellungen, wobei sich mir gerade im hindu-buddhistischen Olymp die Zusammenhänge der verschiedenen Wesen, Symbole und Inkarnationen hartnäckig jeglichen Verständnisses entziehen. Ich finds ja gut, dass in dieser Welt nicht alles mit Logik zu erklären ist, aber ein bisschen strukturierter Aufbau wäre mit Rücksicht auf die ungläubigen Touristen im Land doch wünschenswert gewesen...

Präzisionsarbeit nach Vorlage: Thankamaler in Bhaktapur
Der Meister bei der Arbeit - Sunna in seiner Wohnung in Kathmandu
Das hier (80 x 100 cm) ging für 5 Lac (5000 €) über den Ladentisch... (nix mit Souvenir!)
Weniger kunstfertig, aber dafür mit umso größerem Körpereinsatz geht es auf den zahllosen Baustellen zu. Gebaut wird eigentlich immer und überall, aber selten fertig. Dabei übernehmen die Herren der Schöpfung traditionell den "anspruchvollen" Teil der Arbeit wie Mauern, Gießen, Verputzen und Rauchen, während es den Frauen überlassen bleibt die notwendigen Güter wie Sand, Ziegelsteine, Zement oder Wasser heranzuschaffen. Ist von der Kräfteverteilung her ja auch nur logisch... Beim Transportieren von Handelsgütern müssen dagegen auch die Männer anpacken. Hierzu benutzt der Nepalese immer seinen Kopf, was bei Lasten von bis zu 60 kg (= Körpergewicht vieler Träger!) auf eine beachtliche Nackenmuskulatur schließen lässt.
Auch der Nepalese kennt "Gruppenarbeit"...
Hier ganz normal: Am Bau schleppen nur die Frauen...
... ansonsten auch mal die Männer.

Der Obi von Bhaktapur
Natürlich wird auch für das leibliche Wohl gesorgt, was hier gleichzusetzen ist mit der Bereitstellung von Reisprodukten. Nur etwa 30 Schritte von unserem Haus befindet sich die älteste Reismühle von Bhaktapur. Auch wir beziehen von hier unseren geschälten, geschlagenen und gemahlenen Reis.

links die Mühle, rechts die Presse für "geschlagenen" Reis.
Fritteuse für zu schlagenden Reis

Schließlich gibt es noch die Berufszweige der modernen Welt, die sich bisweilen zu einem kurzen Showdown in der mittelalterlichen Stadt herablassen. Solche Ereignisse kommen gleichermaßen selten vor wie sie auf mich fehl am Platz wirken. Neulich wurde z.B. am Durbar Square mit ein paar hüpfenden Models ein Werbespot gedreht. Für die Leute hier natürlich ein riesen Event, ich fands eher merkwürdig.

Ich weiß, Ihr wollt die Models sehen, hat sich aber leider nicht ergeben!
Das war's für heute von "Made in Nepal" - bis bald!

Sonntag, 9. Januar 2011

Ein Geburtstag an Yomari Punhi

Aus gegebenem Anlass möchte ich kurz von meinem diesjährigen Geburtstag berichten, der doch in gewisser Hinsicht anders ablief als gewöhnlich. Zuvor jedoch ein ganz herzliches Dankeschön für all die lieben Glückwünsche, die mich aus der Heimat erreicht haben und die mir das Gefühl gegeben haben trotz der Entfernung irgendwie zu Hause zu sein...
Irgendwo außerhalb von Bhaktapur...
An diesem 21.12. fielen gleich zwei weitere Ereignisse auf dasselbe Datum, denn es war Vollmond. Der Mond spielt in der nepalesischen Kultur eine besondere Rolle und er gilt als noch wichtiger als die Sonne. So bestand z.B. die nepalesische Nationalflagge ursprünglich nur aus dem oberen Dreieck, während die untere Hälfte mit der Sonne erst später dazukam.



Konsequenterweise richtet sich auch der Kalender und damit die verschiedenen Feste des Jahres nach dem Mond. Es ergab sich also, dass mein Geburtstag zufällig mit dem von Indra und einem der größeren Newarifeste, dem Yomari Punhi, zusammenfiel. Ein Newarfest bedeutet meistens: Viel Fleisch und viel Alkohol. Letzteren kann man schon in der Wohnung riechen, denn der wird üblicherweise selbst gebrannt - natürlich nur in sterilisierten Apparaturen und mit gewissenhafter Methanol-Bestimmung, das versteht sich wohl von selbst... Dass auch Fleisch eine große Rolle spielt, wurde mir spätestens in dem Moment klar als wir den Tag in aller Frühe mit einem Morgenspaziergang begannen. Überall wurden Büffel geschlachtet, Fleisch und Organe sofort in gleichmäßige Portionen verteilt und anschließend verkauft.

Jeder kriegt von allem etwas.

So viel Fleisch...
Speziell bei diesem Fest steht jedoch eine andere kulinarische Delikatesse im Zentrum des Interesse eines Newar: Yomari. Dabei handelt es sich um tropfenförmige Reisteigtaschen, die mit einer dicken, schwarzen, süßen Rohmasse aus gekochtem Zuckerrohr gefüllt sind. Sie liegen größenmäßig optimal in der Hand und verdauungstechnisch schwer im Magen. Die Durchschlagskraft eines Yomaris reicht locker aus um einen für mehrere Stunden völlig zu plätten, die Höflichkeit gebietet dem Fremden jedoch mindestens zwei davon zu essen... Alter Schwede, war ich voll!

yummy yomari!

Natürlich gibt es kein nepalesisches Fest ohne den Segen der Götter! Auch an Yomari Punhi heißt es deshalb früh aufstehen um sich zu waschen, Segen für Haus und Bewohner zu erbitten, zum Tempel zu gehen und einige Opfer darzureichen. Ein streng gläubiger Hindu erledigt all das jeden Tag vor Sonnenaufgang. Ein Glück gehört Indra nicht dazu...
Opfergabe vor dem Haus.
Die Opfergaben, meist bestehend aus Lebensmitteln, Farben und Blumengestecken, werden auf kleinen silbernen Tabletts arrangiert und zum Transport mit einem Tuch abgedeckt. Zu opfernde Hühner werden einfach unter den Arm geklemmt und vor Ort geschlachtet. Wer jetzt vor seinem inneren Auge eine leiberschiebende Menschenmasse sieht, die sich in völliger Exstase um den dichtesten Platz am Altar prügelt, den muss ich enttäuschen. Erstens gibt es in Bhaktapur genug Tempel, auf die sich die Gläubigen verteilen können und zweitens weiß auch der Nepalese an sich wie man sich zu benehmen hat - und stellt sich ordentlich an!

Typischer Gabenteller, hier mit Yomari (links).

Vorbildlich würde ich sagen, ist es nicht?
Das kann zwar etwas dauern aber viele nutzen die Zeit für ein Schwätzchen mit dem Vorder- oder Hintermann und zeigen sich sehr geduldig. Überhaupt sind die Nepalesen nicht nur ein genügsames, sondern auch sehr fröhliches Volk. Man wird niemals auf der Straße jemanden sehen, der rummeckert, gestresst ist oder in sonstiger Form seine schlechte Laune zum Ausdruck bringt. Im Gegensatz dazu sieht man viel Lächeln, muntere Gruppendiskussionen und laute Feste. Das gleiche gilt auch für die Kinder, die man, ihrer großenteils bitteren Armut zum Trotz, mit einer Lebensfreude auf der Straße spielen sieht, wie man sie in Europa selten vorfindet. Da kommt man schon mal ins Grübeln, wer hier eigentlich der glücklichere ist.

"...und dann stell Dir vor, da wollte er 80 Rupien für! Ja! Da hab ich gesagt..."
Der Rest des Tages verlief ähnlich zu unserer Art Geburtstage zu feiern. Gegen Mittag kamen ein paar Freunde zum Essen vorbei und ich wies sie in die Technik des Stockbrotbackens ein. Als weiteres Highlight gab es dazu ungarische Salami und Nutella, die mir meine Eltern aus Berlin mitgebracht hatten. Zu meinem Leidwesen erwies sich auch Indra als großer Genießer von Nutella, zumal er dazu kein Brot benötigt sondern lediglich einen Löffel...

Ein bisschen Heimat über dem Feuer!
Zum Abschluss des Tages besuchten wir noch kurz Indras Mutter und es gab - wie sollte es anders sein - noch mehr Yomari! Um meiner Verdauung wenigstens eine Chance zu geben akzeptierte ich diesmal den dazu angebotenen Schnaps und betete für ein gutes Händchen des Destilationsbeauftragten. Wieder zu Hause angekommen war es bereits dunkel und Musiker hatten überball in der Stadt angefangen urige traditionelle Musik zu spielen. Für jedes Fest gibt es ganz bestimmte Lieder, die aber heute scheinbar kaum noch an die jüngere Generation weitergegeben werden. Vor allem der Gesang hat es mir angetan, denn die meisten Sänger haben eine tolle Stimme. Ich setzte mich also abends vor dem Schlafengehen zu einer der Gruppen in eine Ecke, ließ die Seele baumeln und genoss das Gefühl an meinem Geburtstag ein ganz besonderes Konzert dargeboten zu bekommen (-> Audiodatei zum Anhören).

Unter Musikern.

Samstag, 18. Dezember 2010

Bhaktapur - Die Stadt

Wenn man Bhaktapur (Bhadgaon) betritt kann man sofort nachvollziehen, warum diese Stadt zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde. Nicht nur prächtige Tempel finden sich an jeder zweiten Straßenecke, sondern nahezu jedes Haus weist kunstvoll geschnitzte Holzrahmen, Türen und Balkone auf (was nicht heißen soll, dass auch alle in guter Verfassung sind!). Fast alle Tempel und viele der Gebäude stammen ursprünglich aus dem 15. Jahrhundert. Zu der damaligen Zeit lieferten sich die drei rivalisierenden Malla-Könige in Bhaktapur, Kathmandu und Patan einen erbitterten Wettkampf um die prächtigste Stadt des Tals. Dies führte zur einer rasanten Entwicklung der darstellenden Künste in der Region - leider auf Kosten der Bevölkerung, die letztendlich für das verschwenderische Wirtschaften aufkommen musste.


Typisches Nepali Haus in Bhaktapur.

Bei manchen Häusern fragt man sich, warum sie eigentlich noch stehen...

Die Stadt ist aber nicht nur optisch sondern auch städteplantechnisch wahrlich aus dem Mittelalter! Wer sich hier nicht auskennt und ohne Karte unterwegs ist, kann leicht unfreiwillig Stunden in den unzähligen verwinkelten, engen Gassen zubringen, die bereits bei Abenddämmerung jegliches Restlicht schlucken (nein, ich hab mich nicht verlaufen. Wirklich nicht!...). Ein Glück ist die Stadt so klein, dass man nur geradeaus gehen muss um innerhalb kurzer Zeit auf einen der zentralen Plätze zu gelangen oder nach spätestens einer halben Stunde den gegenüberliegenden Stadtrand zu erreichen.

Stadtrand von Bhaktapur


Das ehemalige Zentrum von Bhaktapur ist Tachupal Tole. Inzwischen liegt der Platz etwas am Rand der Stadt, was einen aber nicht von einem Besuch abhalten sollten. Neben zwei beeindruckenden Tempeln, einem Museum und einer Reihe reich verzierter Häuser findet man hier auch ein absolutes Highlight nepalesischer Holzschnitzkunst und mein persönliches Lieblingsstück: Das peacock-window.

Peacock window

Aufbau des Bhimsen-Tempels

Tachupal Tole mit Dattatreya-Tempel


Der weitaus größte Platz ist der Durbar Square. Hier liegt der ehemalige Königspalast und eine Reihe imposanter Tempelanlagen, die zu einem bedeutenden Anteil mit deutschen Entwicklungshilfegeldern restauriert wurden. Überhaupt genießt Deutschland hier einen sehr guten Ruf. Das liegt einerseits an der tatkräftigen deutschen Unterstützung bei der Entwicklung eines Zu- und Abwassersystems für Bhaktapur, verbesserter Straßen und diverser Restaurationsarbeiten, andererseits an der Fußballbegeisterung der Nepalesen, die uns in den letzten Jahren mehr Glück gewünscht hätten. Ansonsten ist der Durbar Square vor allem dann eine gute Adresse, wenn man ein wenig Ruhe sucht (dies ist der einzige Ort in Bhaktapur, an dem keine Motorräder erlaubt sind!) oder aber ein paar lokale Führer sucht, die alle Geschichte studiert und zufälligerweise auch noch Verwandte in Deutschland haben...

Durbar Square, rechts der Eingang zum ehemaligen Königspalast.


Der "55 window palace"

Löwe vor dem Siddhi-Lakshmi-Tempel


Am liebsten aber bin ich am Taumadhi Tole, der nur wenige Schritte von Indras Haus entfernt ist. Hier steppt Tag und Nacht der Bär, pulsiert das Leben in einem permanenten Strom von Bauern, Händlern, Musikern, Geistlichen, Feiernden, Touristen, Tieren und allem möglichen anderen. Gerade wenn abends der Strom ausfällt kommen viele hierher um die Gelegenheit zum Einkaufen zu nutzen oder eine Kleinigkeit zu essen. An solch einem Ort kommt dem überforderten Ordnungsliebhaber die Tatsache zugute, dass sich hier der höchste Tempel Nepals befindet: Der Nyatapola- oder auch five-roof Tempel. Von seiner obersten Treppenstufe aus kann man das chaotische Gewusel aus sicherer Entfernung beobachten, was auch von Einheimischen gerne genutzt wird. Von Taumadhi Tole aus startet am nepalesischen Neujahrsfest (Bisket Jatra, Mitte April) ein riesiger Tempelwagen, der von den Massen mit Hilfe riesiger Holzräder und Spurrillen im Boden einmal durch die ganze Stadt gezogen wird. Auf dem Höhepunkt des Umzugs versuchen die zwei Stadtparteien (Ost/West) dann in einem Wettstreit den Wagen auf ihre Seite zu ziehen (nein, da gibt es keine Absperrgitter, Anti-Konflikt-Teams oder Eventmanager - da ist HalliGalli angesagt!!!).

Nyatapola-Tempel am Abend

Bhairabnath-Tempel, an der Seite die Räder für den Umzug




Im Fokus des spirituellen Lebens steht vor allem der dem Nyatapola-Tempel gegenüberliegende Bhairabnath-Tempel. Dort wird nicht nur gebetet und Musik gemacht, sondern auch alle Nase lang irgendwelche Tiere geopfert. Die "oberflächliche" Reinheit von Heiligtümern spielt hier praktisch keine Rolle, woran man sich als Europäer erstmal gewöhnen muss. Egal ob Lebensmittel, Farbe oder die Köpfe geopferter Tiere - alles was Glück bringt und Böses abwendet wird auf Gottesabbilder geschmiert oder um sie herum verteilt. Die hygienischen Konsequenzen kann man sich leicht ausmalen...

Hm, also links ist Vishnu und rechts könnte mal Krishna gewesen sein...


Am Rande der Stadt stößt man auf die Abbilder der Stadt. Dazu gehören z.B. riesige Bassins, die vor langer Zeit als Wasserspeicher angelegt worden waren und noch heute benutzt werden. Der lonely planet schreibt zu ihnen:
"In the mornings and afternoons, locals gather by the ponds to bathe, socialise, take romantic walks and feed the giant carp and turtles that keep the water free from detritus." Ich will das mal so stehen lassen ...

Lust auf einen romantischen Spaziergang?
Naja, gut dass man heutzutage alles wegzoomen kann...

Je weiter man sich vom Stadtzentrum entfernt, desto größer werden die Müllkippen. Nepal hat ein riesiges Müllproblem, da aus Kostengründen keine öffentliche Entsorgung, geschweige denn Recycling stattfindet. Das heißt, dass jede einzelne Plastiktüte früher oder später irgendwo auf dem Boden landet. Also nix mit verpacktem Brot oder Snickers, obwohl beides mich schon reizt...(hmpf)

Müll ist ein riesiges Problem in Nepal


Schließlich erreicht man die "nepalesischen Highways", die Bhaktapur mit Kathmandu, Thimi und Banepa verbinden: Staubige Asphalt oder Sandpisten, deren Nicht-fein-Staubbelastung pro Minute ungefähr 5 Zigaretten entsprechen dürfte. Hier kann man eigentlich nur noch mit Staubmaske rumlaufen und wer es sich leisten kann bezahlt jemanden dafür alle 30 min sein Aushängeschild an der Straße freizulegen.

Ost-West-Highway Kathmandu-China

Hier lohnt sich kein Feinstaubfilter mehr!

Da geh ich doch lieber in mein mittelalterliches Stadtzentrum zurück!

Straßenszene in Bhaktapur

Sonntag, 5. Dezember 2010

Aufbruch

Nachdem ich mich ausgeruht hatte, gabs zum Frühstück das nepalesische Nationalgericht: Dhaal Bhaat (Reis mit Linsensuppe). Ergänzt wird es mit Spinat, jungem Knoblauch, Sojabohnen, Bratkartoffeln oder anderem saisonalen Gemüse sowie einem Klecks pickle (Gewürzmischung). Für deutsche Gäste ist meist auch noch ein kleines Stückchen Hühnchen dabei (wenn ich "Stückchen Hühnchen" schreibe dann ist das wörtlich zu nehmen! Hier geht es nicht um Keule oder Brust, sondern um einen willkürlich herausgehauenen Würfel mit allem was man in so einem Viech halt findet. Dabei stellt Muskelfleisch meistens den geringsten Anteil dar. Hatte schon interessante anatomische Begegnungen mit meinem Essen...). Ich muss sagen mir schmeckt es in allen Kombinationen sehr gut (bei wem das nicht so ist, sollte sich allerdings auf ein paar schwierigkeiten bei der Essensbeschaffung einstellen). Dabei kommt mir die Tatsache zugute, dass Nepalesen einen ähnlichen Schärfegrad bevorzugen wie wir Europäer und sich nicht an ihre indischen Nachbarn halten. Dhaal Bhaat gibt es überall in Nepal und jeden Tag zweimal täglich, einmal morgens um 10 und einmal abends um 7-8. Das klingt vielleicht eintönig, ist aber an sich nach kurzer Gewöhnungszeit nicht nur ganz praktisch sondern auch immer wieder lecker. Gegessen wird mit der rechten Hand, die als Schaufel benutzt wird. Das geht leichter als ich gedacht hätte und gehört für mich inzwischen einfach zu nepalesischem Essen dazu. Die Unterdrückung von Essgeräuschen ist, wie mir scheint, eher nicht vorgesehen...

Das nepalesische Nationalgericht: Dhaal Bhaat

Lediglich eine Komponente des Essens lehnte ich in reiner Form nach kurzem Probieren von vornherein ab: Ghee! Das ist die asiatische Form der Butter, die zum Anbraten (kaum zu verpassen, da ähnliche Wirkung wie gasförmiges Chili!) benutzt, aber auch pur (yummy...) zum Essen gereicht wird und in meinen Augen seeeehr gewöhnungsbedürftig ist. Da ich auch sonst keine Butter esse wurde diese Einschränkung aber sofort akzeptiert. Das Gemüse und alle übrigen Ergänzungen zu Dhaal Bhaat werden übrigens mit einem total urigen Messer zum Draufhocken geschnitten! Handmesser, wie sie bei uns üblich sind, gibt es hier erst seit kurzer Zeit.
Indra beim Knoblauchschneiden

Mittags gegen 2 greift man auf ein einfacher zuzubereitendes Essen zurück, nämlich Chiuraa (geschlagener Reis). Dazu wird das ungekochte Reiskorn so lange in einer runden Metallschüssel "geschlagen" bis es aus ganz dünnen Plättchen besteht, die man sich nun unter hohem Feuchtigkeitsverlust zuführen kann. Um einer kompletten Verstopfung vorzubeugen gibt es meistens noch etwas Kartoffeln vom Morgen, ein Ei oder auch frischen Yoghurt. Gerade Bhaktapur ist für seinen guten Yoghurt bekannt (eine Tatsache, die mir ebenfalls sehr entgegen kommt). Dieser besitzt hier auch eine Bedeutung bei bestimmten religiösen Riten. So  muss beispielsweise die Anzahl der Löffel, die man aufgetan bekommt, immer gerade sein - fand ich absolut logisch! Eine Tradition, die meiner Meinung nach bei uns total unterschätzt wird, aber das sehen wohl nur Monk-Fans wie ich so...

Nepalesisches Mittagessen: Chiuraa (beaten rice)

Zu Trinken gibt es immer gefiltertes Leitungswasser, das auch ich gut vertrage. Abkochen ist relativ aufwändig, zumal jegliche Abhängigkeit von Strom sehr unpraktisch ist. Trinkwasser ist deshalb vor allem in der Regenzeit ein Problem, wenn der Strom noch häufiger gekappt wird als jetzt im Winter. Abgeschaltet wird immer zu den Hauptverbrauchszeiten, also morgens und abends. Zur Zeit haben wir tagsüber ca. 6h, nachts etwa 10h Strom, Tendenz sinkend. Wenn es keinen Strom gibt und es nicht zu kalt ist strömen die Menschen auf die Straße, denn dann gibt es zu Hause nichts zu tun. Man nutzt die Zeit um einkaufen zu gehen, sich die Beine zu vertreten oder Freunde zu treffen. Alles was jetzt Strom verbraucht ist deutlich teuerer und nur große Geschäfte leisten sich große Stromaggregate für eine kontinuierlilche Versorgung.

Unsere Trinkwasserreinigung
Nun wollte ich aber endlich raus die Stadt erkunden! Nach kurzer Zusammenstellung einer - sich in Zukunft sehr bewährenden - Expeditionsausrüstung, bestehend aus Wasserflasche (meine tägliche Lebensversicherung), Lonely Planet (von der besten Schwester von allen!), Toilettenpapier (ihr wisst gar nicht wie gut unser Toilettenpapier ist!), Desinfektionstüchern (man weiß nie...), Kamera (was würde ich ohne die nur machen???), etwas Geld (möglichst wenig und keine EC-Karte etc.), Handy (mit SIM-Karte von Indra), Mundschutz (1 min entlang einer nepalesischen Straße = 3 Zigaretten), Taschenlampe (nachts ist es nicht nur dunkel sondern STOCKDUSTER!), meinem point-it (kaum einer über 30 spricht hier Englisch!) und Passkopie (bislang ungenutzt, verbraucht aber keinen Platz), verließ ich das Haus und stürzte mich in das Gewusel der kleinen Gassen und Plätze...

Auf den Straßen von Bhaktapur

Samstag, 4. Dezember 2010

Anreise

Die Fluggesellschaft meiner Wahl, Gulf Air, lag mit ihrem Preisangebot Frankfurt-Kathmandu gut 400 Euro unter dem Durchschnitt. Zusammen mit den Kommentaren, die ich im Internet fand, ließ das nichts gutes hoffen. Da ich mich aber ohnehin auf Einschnitte in den kommenden Monaten eingestellt hatte, buchte ich den Flug und bestieg am 24.11.2010 eine Maschine der Gulf Air nach Bahrain, meiner ersten und einzigen Zwischenetappe.

Mein Taxi nach Nepal!
 Glücklicherweise erwiesen sich alle Befürchtungen als unbegründet. Das Personal auf dem Flug nach Bahrain war in Sachen Kundenfreundlichkeit zwar nicht gerade preisverdächtig, aber an Pünktlichkeit und Sauberkeit der Maschine war nichts zu auszusetzen. Auch das Frühstück entsprach den allgemeinen Flugstandards und wies das wichtige Öl/Fleischverhältnis von 2:1 auf. Mein Sitznachbar, ein deutscher Thailandurlauber, der sich während des gesamten Fluges hauptsächlich von Wein ernährte, bewies mir, dass ich noch verhältnismäßig organisiert ins Unbekannte flog. Er hatte nämlich weder ein Hotel vor Ort gebucht, noch Adressen oder Kontakte dabei, schien darüber aber auch ganz glücklich. Das beruhigte mich ein wenig und so konnte ich mich entspannt in meine Reiseführer vertiefen, für die ich in der Vorbereitungszeit kaum Zeit und Ruhe gefunden hatte.

Kueste Bulgariens am schwarzen Meer
 Der Flughafen in Bahrain ist wie ein großer Eintopf. Hier ergeben sich Tag und Nacht alle möglichen und unmöglichen Mischungen verschiedener Nationalitäten und Kulturen. Die Anwesenheit vollständig vermummter arabischer Frauen, schick gekleideter europäischer Manager und asiatischer Arbeiter gehört ebenso dazu wie z.B. die dicker Autos, arabischer Fastfoodläden oder auch eines Weihnachtsbaumes.




Da ich 6 h Aufenthalt hatte, nutzte ich die Zeit für einen Abstecher ins kostenlose WLAN des Flughafens und aß eine Kleinigkeit. Gerade noch rechtzeitig fiel mir ein, dass es vielleicht ganz angebracht wäre ein Gastgeschenk mitzubringen, da ich zumindest während der ersten Tage bei Indra wohnen sollte. Ich erstand also eine Kleinigkeit im Duty-free Shop (natürlich zum absoluten Schnäppchenpreis!) und bestieg um 2.00 morgens meinen Anschlussflug nach Kathmadu. Diese Maschine war deutlich kleiner und gab vor dem Start etwas merkwürdige Geräusche von sich, hatte dafür aber sehr freundliches Personal und besseres Essen. Ich versuchte etwas zu schlafen, was mir aber nicht so recht glückte. Das war im Nachhinein auch ganz gut so, denn dadurch verpasste ich nicht meinen ersten grandiosen Blick auf die Spitzen des Himalaya, die in einer langen Kette durch die Wolkendecke stießen.

Der Himalaya aus dem Flugzeug

Schließlich landete die Maschine in Kathmandu und ein Bus brachte uns zu dem einzigen Terminal des aus roten Ziegelsteinen und Holzbalken erbauten Flughafengebäudes. In erstaunlich kurzer Zeit hielt ich in der linken Hand ein 90-Tage-Visum, in der rechten Hand meinen Koffer und stand vor dem Flughafengebäude auf der Straße. Sofort wurde ich von Taxifahrern bestürmt, die nur mühsam von den umstehenden Polizisten zurückgehalten werden konnten und ließ mich, da ich Indra nirgends entdecken konnte und kein Handynetz hatte, in einen Taxifahrer-freien Warteraum für hilflose Touristen lotsen. Ein besonders hartnäckiger Geselle wich mir jedoch nicht von der Seite und bot mir an alles notwendige für mich zu organisieren. Ich sagte ihm, dass ich abgeholt werden würde und dachte ich würde ihn damit loswerden. Er ließ aber nicht locker und wollte für mich bei Indra anrufen. Ich sagte ich hätte ihm schon eine Nachricht geschickt. Er nickte, als verstünde er und fügte erst nach einer Pause genüsslich hinzu: "Doof, dass das Netz hier nicht geht..."


Kathmandu Airport
 Bevor ich richtig unruhig werden konnte tauchte Indra auf und begrüßte mich herzlich. Auch mein persönlicher Headhunter freute sich, denn er durfte uns nach kurzer Absprache mit Indra zu einem Taxifahrer seines Vertrauens führen. Die ca. 16 km weite Fahrt nach Bhaktapur entsprach in etwa dem, was ich mir vom Verkehr hier ausgemalt hatte: Die Straße mehr Sandbuckelpiste als Asphalt und der Verkehr ein einziger Hexenkessel. Am Stadttor von Bhaktapur musste ich ein Ticket kaufen, da die Stadt als UNESCO-Weltkulturerbe eine einzige riesige Ausstellung historischer Gebäude und Tempel ist. Von nun an waren die Straßen so eng, dass links und rechts vom Auto teilweise nur wenige Zemtimeter Platz blieben. Das ist für einen Nepalese aber natürlich noch lange kein Grund den Fuß vom Gas zu nehmen und so war ich doch einigermaßen überrascht, dass die Fahrt ohne jegliche Kollisionen verlief. Schließlich hielten wir auf einem kleinen Platz mitten in der verwinkelten Innenstadt von Bhaktapur - wir waren da!

Indras Haus, links unten die Haustuer

Indras Haus ist relativ groß und nach traditioneller nepalesischer Bauart errichtet. Das heißt z.B., dass alle Decken in ca, 1.80 m Höhe hängen, was für größere Menschen wie mich erstmal gewöhnungsbedürftig ist. Außerdem ist der Großteil der Inneneinrichtung Marke Eigenbau und hauptsächlich auf Funktion ausgelegt. Entsprechend viele Stecker und Kabel liegen überall frei herum und man muss sich schon ein wenig auskennen um die jeweils benötigte Schaltung durchführen zu können. Im Erdgeschoss befinden sich lediglich ein Wassertank und ein Stromgenerator, auch der erste und vierte Stock sind zur Zeit leerstehend. Im zweiten Stock befindet sich eine kleine Schlafkammer fuer ihn, seine Frau Sunchita und ihre gerade erst zwei Wochen alte Tochter, sowie ein Wohnzimmer mit Bad. Im Stockwerk darüber ist ein Klo, die Küche und mein Zimmer untergebracht. Es misst etwa 2 x 3 m, hat zwei kleine Fenster und geht nach vorne raus.

Mein Zimmer vom Bett aus

Mein Bett
 Nachdem mich Indra ein wenig rumgeführt hatte, machten wir auf dem Dach eine kleine Pause. Ich war etwas geschafft vom Flug und legte mich für eine Weile in die warme Sonne. Man möchte es als Europäer nicht so richtig glauben, aber selbst im Dezember ist es hier tagsüber so warm, dass man im T-Shirt noch ins Schwitzen kommen kann und auch nachts wird es nicht so kalt wie in Deutschland! Das Dach ist für viele Nepali ein wichtiger Rückzugsort, da die meisten Wohnung extrem eng und dunkel sind. Hier verrichtet man seine Arbeit, trocknet Reis, Gewürze und Gemüse, trocknet seine Wäsche und der eine oder andere hält hier seine Tiere. Auch der deutsche Tourist gesellt sich gerne an diesen Ort, denn man hat einen tollen Blick über die Stadt und einen Teil des Kathmandutals, der bei guter Sicht bis zu den Bergen des Himalaya reicht. Trotz der ungewohnten Umstände fühlte ich mich nun pudelwohl und brannte darauf die Stadt zu erkunden.


Von unserem Dach aus: Hinterhoefe...
 
...der Platz vor unserem Haus...

...ich ueber Bhaktapur...

... und der Himalaya!