Sonntag, 13. Februar 2011

Weihnachten - Teil 1

Da reist man ans andere Ende der Welt um fremden Kulturen zu begegnen und wer steht an Weihnachten vor der Tür? Die Eltern! Wo mancher Ausreißer schockiert gewesen wäre habe ich mich natürlich riesig gefreut! Auch wenn mich zu keinem Zeitpunkt das Heimweh geplagt hatte, war ich nach einem Monat Nepalerfahrung pur durchaus empfänglich für vertraute Gespräche, warme Hotelzimmer, noble Frühstücksbuffets, bequeme Taxifahrten und geführte Touren auf Deutsch. Insofern war ich sehr froh, sie im Laufe ihrer zweiwöchigen Rundtour gleich dreimal treffen zu können und dabei ein wenig Heimatluft zu schnuppern. Zum ersten mal sahen wir uns für zwei Tage in Kathmandu, der Haupstadt Nepals.
Einfach unglaublich - meine Eltern in Bhaktapur!

Kathmandu (Kantipur) ist zwar eine Großstadt mit knapp 1 mio Einwohnern, doch das bedeutet keineswegs, dass hier Arm und Reich aufeinander prallen würden. Die Leute sind durchgängig so arm wie in anderen Teilen Nepals und auch der Strom fällt zu den üblichen Zeiten aus. Wasser und Feuerholz sind sogar besonders knapp und so bringt Indra manchmal auf seinen Besuchen bei Sunchita eine Notration Holz mit.  Einge wenige Ausnahmen gibt es aber natürlich schon: Das Luxushotel "Malla", in dem meine Eltern wohnten, sticht deutlich heraus und gewährt dem Europäer etwas westlichen Komfort. Ich konnte die Wahl meiner Eltern also nur begrüßen! Vor allem das Frühstücksbuffet und die warme Dusche waren einer längeren Auseinandersetzung würdig... =)
Luxusoase im Großstadtdschungel: Das Malla-Hotel in Kathmandu.

... und das sonst übliche Straßenbild!

Obwohl die Stadt übersät ist mit religiösen Schreinen und kleinen Tempeln, findet man die größte Ansammlung im historischen Zentrum. Rund um den alten Königspalast am Durbar Square steht ein Zeitzeugnis neben dem anderen. Wer hier bei der Führung nicht richtig aufpasst, hat später große Probleme bei der Zuordnung der einzelnen Tempel...!
Der ehemalige Königspalast am Durbar Square.

Mit den Tempeln ist es wie im Deutschunterricht: Meistens Shiva (Schiller) oder Vishnu (Goethe).

Garuda, das fliegende Reittier von Vishnu.

Offensichtlich eine eher unfreundliche Inkarnation von Shiva... oder Vishnu...


Direkt benachbart zum Tempelbezirk befindet sich ein Relikt jüngerer Tage, die sogenannte "Freak Street". Hier fanden Hippies alles was sie zum Leben brauchten, vor allem also billige Hotels und ausreichend "Material". Heutzutage scheint jedoch das Klientel zu fehlen und man findet hauptsächlich normale Geschäfte und dazu noch ausgezeichnete Bäckereien...
Life is eeeaaasy in Freak Street.

Ein besondere Persönlichkeit von Kathmandu ist die Kumari. Sie gilt bis zu ihrer ersten Regel als lebende Göttin, darf ihr Haus nur zu bestimmten Festen verlassen und sich keinem Fremden zeigen. Natürlich wird für den reichen Touristen eine Ausnahme gemacht: Wer bereit ist ein etwas größeres Bakschisch zu zahlen, bekommt sie für 5 Sekunden zu sehen, darf allerdings kein Photo machen. Ich hatte einmal das zweifelhafte Glück eine Gruppe von Asiaten zu treffen, die sich dieses "Erlebnis" geleistet hat. Der Anblick eines derart instrumentalisierten Kindes kann einen jedoch nur traurig stimmen.

Hier zeigt sie sich schon gar nicht! Wer die Kumari sehen möchte muss in den Hinterhof.


Neben einem der drei ehemaligen Königssitze besitzt Kathmandu aber noch eine andere Besonderheit, nämlich den einzigen internationalen Flughafen Nepals. Das ist kaum zu überhören, denn ganz Kathmandu liegt quasi in der Einflugschneise (was aber natürlich keinen stört). Alle Trekkingtouren und Rundreisen starten demnach von hier und wer noch schnell ein paar Ausrüstungsgegenstände - inklusive der passenden Träger - für seine Everestbesteigung oder Souvenirs für zu Hause benötigt, findet alles was er sucht im Touristenviertel Thamel. Es versteht sich von selbst, dass es hier alle Markenprodukte nur im Original gibt! Zu meinem Leidwesen musste ich jedoch feststellen, dass nicht nur diese "Originale" von eingeschränkter Qualität sind: Auch mein no-name Baumwollhemd verlor noch vor der ersten Wäsche alle Knöpfe!
"Hello Sir, I make you good price...!"

Wer wie wir das nonplusultra-Paket gebucht hat, kann - Dank eines kundigen Führers, eines mutigen Fahrers und eines guten deutschen Zeitplans - innerhalb von zwei Tagen zusätzlich zur Innenstadt auch noch die vier Highlights der näheren Umgebung besichtigen. Das erste davon ist Swayambhunath, ein auf einem nahe gelegenen Hügel befindliches Kloster mit Stupa. Wer den Aufstieg auf sich nimmt wird neben den Kulturgütern auch noch mit einem herrlichen Blick auf die Stadt belohnt. Für den Touristen gut zu wissen: Immer schön im Uhrzeigersinn herum gehen und die Gebetsmühlen nur mit der rechten Hand drehen! 

Big Buddha is watching you...

Buddhistischer Tempel neben der Stupa.

Gebetsmühlen um die Stupa herum.

Stupas im Sonnenschein.

Das Kloster zu Swayambunath.

Die Fußstapfen von Buddha!!! Demnach muss er recht klein gewesen sein...


Ein weiteres sehenswertes Ziel ist Bodhnath. Auch hier gibt es eine riesige Stupa mit altem sowie neuem Kloster zu bewundern, nur diesmal liegt das ganze mitten in den belebten Straßen von Kathmandu. Wie bereits in Swayambunath sind jedoch auch hier die Touristen den Gläubigen zahlenmäßig weit überlegen, so dass die sakrale Stimmung dieser Orte nicht so recht aufkommen mag.
Berliner vor der Stupa von Bodhnath.

Buddhistischer Mönch beim Gebet.

Das neue Kloster zu Bodhnath.

Beten, niederknien, ausstrecken, aufstehen - und das 108 mal hintereinander!

Die große Gebetsmühle von Bodhnath.

Ganz anders dagegen sieht es in Pashupatinath aus. Hier liegt einer der größten und bedeutendsten Shiva-Tempel Asiens, was man schon am massiven Pilgerstrom leicht erkennen kann. Nichtgläubige dürfen immerhin aus der Entfernung ein Photo machen und das umgebende Tempelgelände besichtigen. Dabei lernt man schnell die praktische Funktion des sogenannten Affentempels kennen: Direkt an einem Fluss gelegen (im Winter eher ein Rinnsal, aber heilig ist heilig!) ist der Ort einer der begehrtesten Bestattungsplätze im Kathmandutal. Es gibt ein kleines Sterbehaus, Verbrennungsstätten und Räume für die Angehörigen zum Übernachten. Insbesondere beim Tod eines Familienvaters gelten für gläubige Angehörige (vor allem den ältesten Sohn) für zwei Wochen strenge Auflagen bzgl. Nahrung, Kleidung, Schlafplatz und Ausgang. Insgesamt ein sehr beeindruckender Ort, aber nichts, wo man sich gerne länger aufhalten würde. Selbst die Affen sind recht angriffslustig und nicht gerade zum Streicheln aufgelegt

Einlasskontrolle am Eingang.

Bis  hier und nicht weiter! Im Hintergrund ist Nandi, der Stier Shivas zu erkennen.

Die Beisetzungsstelle in Pashupatinath.

Nur aus der Entfernung süß: Die Namensgeber des Tempels.

Pilter aus Indien bei der Rast.


Stattdessen lieber weiter zum letzten Higlight der Region, nämlich Patan (Lalitpur). Neben Bhaktapur und Kathmandu befindet sich hier der dritte ehemaliger Königssitz, was sich in der beeindruckenden Tempelansammlung widerspiegelt. Heute ist die Stadt schon fast vom expandierenden Kathmandu geschluckt, so dass man bequem von einer Stadt in die nächste wandern kann.


Der Durbar Square von Patan.

Geläutet wird immer mal wieder, aber leider nie zur vollen Stunde.

Tempel am Durbar Square von Patan.

Nach dieser geballten Kulturladung zog ich mich erst einmal wieder in mein ruhiges Bhaktapur zurück, während sich meine Eltern ohne Pause tapfer in das Dschungeldickicht des Chitwan-Nationalparks stürzten. Wenige Tage später sollten wir uns aber schon wiedersehen, nämlich in Pokhara. Dazu bald mehr im nächsten Bericht...
Unter Dickhäutern: Chitwan-Nationalpark im Süden Nepals.

Samstag, 22. Januar 2011

Die "Bhaktapur Craft Paper Ltd"

Diejenigen, die eine Weihnachtskarte von mir bekommen haben - es tut mir leid, dass es nur wenige waren - aber die haben sich bestimmt gefragt, wo der Falk die schönen Papierkarten her hat! Nun, wo die geboren wurden, das zeig ich Euch heute! Biseh, mein Freund und Nepalilehrer, arbeitet nämlich in einer Papierfabrik  (die übrigens aus besseren Zeiten noch eine ganz gute Internetseite hat) und da hat er mich neulich mitgenommen...

Schöne Kabeldeko auf dem Weg zur Fabrik

Zuerst braucht man natürlich das Papier an sich. Dafür gibt es eine riesengroße Wanne, in der bestimmte Hölzer aus einer Bergregion Nepals (genannt Lokta oder auch Daphne cannabina) mittels rotierender Messer zerkleinert und nach und nach aufgelöst werden.

Die "Papier-Ursuppe"
Diese "Ursuppe" wird dann in mehrere kleinere Bäder geschüttet und von einem Arbeiter mit einer Bambusmatte bearbeitet. Danach geht es recht fix: Abtropfen lassen, umgedreht auf ein mit Tuch bespannted Stahlblech klatschen, abpinseln und das Sieb abziehen. Fertig ist das Papier!

Für den Besucher nochmal extra langsam zum Photographieren: Sieben...
... Umdrehen und Abpinseln...
... und Abziehen - fertig!

Naja, fast. Zunächst wird das ganze für einige Zeit in der Sonne getrocknet. Danach ist das Papier noch ziemlich rauh und dick. Deshalb kommt es zwischen zwei Stahlbleche und wird unter dem hohen Druck einer Walze glatt gepresst.

Eine kurze Demonstration nur für mich und das Photo!

Anschließend erfolgt eine kleine Auswahl: Gut, nicht gut. Das machen natürlich Frauen, bei den Männern wäre wahrscheinlich alles "geht noch"...

Leider nicht mehr so viel los wie früher: Die Sortierhalle der Firma.
 
Jetzt dürfen die Männer wieder ran, denn beim Druck kommen Maschinen zum Einsatz. Im Lagerraum gibt es eine riesige Sammlung an Druckmotiven, die in einen Setzrahmen eingespannt werden. Das ganze kommt dann in eine rotierende Druckpresse, die mich irgendwie schwer an Maschinen aus den 20er, 30er Jahren erinnert hat aber noch gut zu funktionieren scheint - zumindest wenn man einen experimentierfreudigen Ingenieur im Team hat.

Als Maschinen noch "Maschinen" und keine "Roboter" waren!
Der Setzblock mit einem Druckmotiv.

Zum Schluss geht es nochmal an die Feinarbeit. Dann heißt es Schnippeln, Falten, Kleben um hübsche Motive auf die Karten zu friemeln oder nützliche Dinge wie Briefumschläge herzustellen. Hier ist für Männer absolutes Zugangsverbot!

Die Bastelabteilung: Falten, Kniffen, Kleben und Schneiden.
 
Dieser ganze Aufwand macht natürlich nur dann Sinn, wenn man auch Leute findet, die die fertigen Erzeugnisse am Ende kaufen! Dazu lädt man üblicherweise unwissende Touristen zur Besichtigung in die Papierfabrik ein und lotst sie anschließend in den fabrikeigenen Shop. Dann verstellt man ganz unauffällig den Ausgang und wartet bis sich das Schröpfgut zur Mitnahme einer stolzen Auswahl an unschlagbar günstigen Karten und Büchern entschlossen hat. Wie gut, dass nur einmal im Jahr Weihnachten ist!

Na, wenn sich das nicht gelohnt hat: Fröhliche Weihnachten nach Deutschland!

Bhaktapur - Einkaufswelt


Was wäre eine mittelalterliche Stadt ohne Händler? Natürlich gar nichts! In Bhaktapur gibt es einen einzigen Supermarkt, auf den auch ich vertraue, da nur hier alle Waren ausgepreist sind - für den unkundigen Touristen ein großer Vorteil. Ansonsten aber verkauft jeder sein Gemüse und seine Tiere selber auf dem Markt. Da das manchmal etwas anders aussieht als bei uns wollte ich Euch mal ein paar Eindrücke davon vermitteln...

Ein Bauer auf dem Weg in die Stadt zum Markt.

Die wichtigsten Handelsgüter sind wohl Reis und Gemüse. Der lokal angebaute Reis ist ziemlich dick und nahrhaltig, fast schon wie Sushireis. Er ist aber auch deutlich teurer als der Basmati-ähnliche Reis aus der Gegend um Kathmandu und so essen ihn nur wenige hier. Auch beim Gemüse gibt es viele verschieden Sorten an Spinat, Linsen und Kartoffeln, geschmackstechnisch fehlt mir hier bislang jedoch der Überblick. Lebensmittel kaufen meist nur die Frauen ein, was sich auch auf den Preis auswirkt. Selbst Indra zahlt einen höheren Preis, wenn er einkaufen geht, und so habe ich es bisher gar nicht erst versucht.

Trocknender Reis in der Sonne.
Welche Art von Daal hätten's denn gerne?
Gemüsebauer auf dem Markt von Bhaktapur


Bhaktapur ist eine typische Newaristadt und so leben hier auch überwiegend Menschen dieser Kaste. Als das Kastensystem in Nepal eingeführt wurde stellten die Newari die Bauernschicht, die viel körperliche Arbeit verrichten musste. Das bedeutete wann immer es ging (früher vor allem an Festtagen) musste Fleisch auf den Teller! Heutzutage isst ein traditionell lebender Newar fast jeden Tag etwas Hühnchen, Büffel oder Schwein. Wie schon mal vorher angedeutet wird dabei das tote Tier nur grob mit einem Hackebeil in mundgroße Stücke zerteilt, angebraten oder frittiert und anschließend gegessen. Noch nie ist mir Fleischverzicht so leicht gefallen! Auch beim Schlachten wird kein großer Aufwand betrieben: Alles was man für einen Büffel braucht sind ein paar Männer zum festhalten und eine ca. 1 m lange Machete. Als Ort des Geschehens eignet sich jeder beliebige Platz, wenn man Pech hat der direkt vor deiner Haustür.

Für den Hindu der größte Vorteil am Büffel: Er ist keine Kuh!
"Wieso Kühltruhe? Ist doch nur Fleisch...?!?" (Beim Fleischer)

"Abgepacktes Geflügel" sieht hier anders aus...

Wer hätte gedacht, dass es in Nepal frischen Fisch auf dem Markt gibt? Zwar überwiegen die Stände mit getrocknetem Fisch (unverkennbar am markanten Geruch), aber wer möchte hat hier eine Alternative für seinen Speiseplan. Bis hoch ins Hügelland von Nepal gibt es große Seen mit Fischfarmen, die auch die umliegenden Städte versorgen können. Bislang habe ich allerdings noch nirgendwo in Bhaktapur jemanden Fisch essen sehen, der Newar an sich steht wohl doch mehr auf Büffel.

Verleihnix hat alles: Sowohl frisch...

... als auch getrocknet!

Schließlich gibt es noch eine ganze Reihe verschiedener Obstsorten, die auf dem Markt feilgeboten werden. Zur Zeit rangieren Bananen und Mandarinen auf den vorderen Plätzen, gefolgt von Äpfeln, Zitronen und Kokosnüssen.

So lecker und frisch es auch aussieht: Immer schön schälen vor dem Essen!


Natürlich geht Frau nicht nur auf den Markt um Lebensmittel zu besorgen! Wenn man schon mal da ist, kann man sich ja mal kurz anschauen, was es so neues beim Stoff- und Kleiderhändler oder - Achtung - Juwelier gibt! Die Nepalesinnen stehen nicht weniger auf Schmuck und Kosmetika als die Europäerinnen und entsprechend gut ist das Angebot. Wie bei uns auch stehen die Männer dagegen eher auf technische Gerätschaften und so gibt es in fast allen Wohnungen eine Unzahl an Handy- und anderen Elektronikgeräten - nur halt meistens keinen Strom.
Egal ob traditionell oder modern - die Nepalesin von heute trägt knallbunt!

Rund um die historisch bedeutsamen Zentren befindet sich noch ein separater Einkaufsbereich für das anspruchsvolle Klientel: Die Touristen. Wer hier nicht handelt zahlt normalerweise den doppelten bis dreifachen Preis. Ansonsten habe ich die Erfahrung gemacht, dass die wenigsten Nepalesen versuchen einen übers Ohr zu hauen. Wenn man sich nicht in der Touristenhochburg befindet kann man damit rechnen den ungefähren Ortspreis zu bekommen.

Schön, aber nicht immer billig: Wandteppiche im Touristenviertel.

Beliebter Verkaufstrick: 100% "Water" Pashmina (= 50% Seide)

Dass Einkaufen hungrig macht, weiß auch der Nepalese. Aus diesem Grund gibt es überall in der Stadt eine breite Pallette an gegarten oder noch häufiger frittierten Teigwaren. Besonders Momos kann ich empfehlen, die es mit verschiedenen Füllungen gibt, aber auch die frittierten Samosas machen Faizas Originalen echte Kokurrenz - vorausgesetzt man sieht sich nicht zu genau die Schüsseln an, in denen das Essen zubereitet wird...

Lecker: Momos im Dampfbad!
Bei Schülern das beliebteste Fastfood: Frittierte Teigtaschen mit Gewürzpaste.
"Datt muss rischte trieven, muss datt...!"

Dienstag, 18. Januar 2011

Stippvisite in Kathmandu

Schon vor einiger Zeit hatten wir beschlossen nach Abschluss der Bauarbeiten mal etwas längeren Urlaub bei Indras Ehefrau Sanchita in Kathmandu zu machen. Die beiden wohnen im Moment getrennt, da es im TOIT-Office in Bhaktapur für das zwei Monate alte Baby zu kalt ist und so pendelt Indra immer mal wieder für einen halben Tag nach Kathmandu und zurück. Obwohl die Bauarbeiten noch nicht ganz fertig waren machten wir uns also letzten Freitag mit dem Motorrad auf den Weg, immer den Flugzeugen nach... (ganz Kathmandu liegt an sich in der Einflugschneise, aber das stört hier natürlich niemanden).


Blick auf Kathmandu nach ca. 30 min Fahrt, links das Flughafengelände.


Ursprünglich beinhaltete die Planung etwas Ausruhen, etwas Arbeiten und einen Tagesausflug in einen nahe gelegenen Nationalpark. Aber wie das in Nepal eigentlich immer so ist, kam alles anders. Indra musste für ein Familienfest kurzfristig nach Bhaktapur zurück, hatte doch etwas mehr in Kathmandu für die Schule zu erledigen als gedacht und ich hatte mir darüber hinaus eine Erkältung eingefangen und ließ mich lieber von Sanchitas Familie verwöhnen als stundenlang durch die Gegend zu wandern. Also blieben wir 4 Tage lang in Kathmandu.

Indra mit Tochter und Ehefrau Sanchita.

Sanchitas Mama mit Baby

Ich mit meinem aktuellen "Kamerad Influenza".
Am zweiten Tag dann große Aufregung: Eine Wahrsagerin kam zu Besuch und lieferte detailierte Infos über Vergangenheit und Zukunft! Auch wenn die Leute das ganze mit Humor nehmen, vertrauen doch viele auf solche Informationen und richten ihr Leben danach aus. Bei mir ließen sich mit etwas Interpretationsspielraum ebenfalls Parallelen entdecken und mir schien, dass die Frau, die übrigens mit beeindruckendem Charisma und Persönlichkeit auftrat, eine ziemlich gute Menschenkenntnis besaß. Das heißt aber nicht, dass ich jetzt dem Aberglauben verfallen bin! Das Photo habe ich trotzdem lieber aus sicherer Entfernung aufgenommen, wer weiß ob mich sonst nicht ein böser Blick getroffen hätte...

"Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit" im Vorgarten.
Nachbarin mit Tochter.
Am dritten Tag fing es dann an zu nieseln. Das zweite mal erst überhaupt, seit ich nach Nepal gekommen bin. Mir scheint die Regenzeit im Sommer lässt hier für den Winter nichts mehr an Feuchtigkeit übrig.

Außenbezirk von Kathmandu nach dem Regen.
Am Tag der Abreise musste noch ein Termin gefunden werden, an dem das traditionell übliche Fest für Indras Tochter abgehalten werden soll. So eine Entscheidung kann man natürlich unmöglich alleine treffen und so begleitete ich Sanchitas Mutter und Schwester zum Astrologen, der für solche Konsultationen zuständig ist. Der Besuch verlief in etwa so wie man sich das auch vorstellen würde. Eine normale Hinterhauswohnung, darin die Astrologin auf einem Stuhl, von diversen religiösen Reliquien und Räucherstäbchen umgeben, und geheimnisvolle Reisauslesen mit kreisenden Augen... Ich weiß jetzt also sicher, dass meine Zukunft glänzend und voller Glück sein wird, ich mit meiner jetzigen Freundin eine tolle Familie mit 5 (!) Kindern haben werde ("Aber auf keinen Fall jetzt schon heiraten, die Sterne stehen nicht gut!") und ich alle unternehmerischen Schwierigkeiten mit Leichtigkeit meistern werde! Na, da bin ich ja mal gespannt...

Absicherung von ganz oben: Zu Besuch bei einer Astrologin.